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Gibt es Medikamente, die gegen die Sucht helfen?
Es gibt (noch) kein Medikament, dass ursächlich die Alkoholabhängigkeit behandeln kann. Generell besteht für Alkoholkranke auch ein hohes Risiko einer Suchtverlagerung,
d.h. das Umsteigen von einem Suchtmittel zum anderen (z.B. von Alkohol zu Medikamenten und umgekehrt). Daher sollte der Einsatz von Medikamenten mit Suchtpotential grundsätzlich gar nicht bzw. nur in bestimmten Ausnahmefällen -und dann sehr vorsichtig in Verbindung mit einem erfahrenen Arzt- erfolgen.
Der Einsatz von Medikamenten erscheint nur sinnvoll bei bestimmten körperlichen Erkrankungen und Folgeschäden. Auch bei schweren psychiatrischen Begleiterkrankungen
(Depressionen, Ängste) kann eine medikamentöse Behandlung angezeigt sein.
Im körperlichen Entzug hat sich das Medikament
Distaneurin bewährt. Es dämpft die Entzugssymptome und hilft bei einem möglichen
Delirium tremens. Da es selber abhängig machen kann, darf es nur
kurzzeitig und im stationären Rahmen (Krankenhaus) verabreicht werden.
Als relativ neues Medikament in Deutschland ist Campral
zugelassen. Dieses Medikament kann gegen die “Suchtgier” (in der Fachsprache: Craving) helfen. Untersuchungen ergeben wenig Nebenwirkungen und kein Suchtpotential von Campral. Der Einsatz dieses Mittels ist nur in Verbindung mit einer gleichzeitigen
Therapie/Entwöhnungsbehandlung sinnvoll und erfolgversprechend. Sinn macht dieses Anti-Craving Produkt nur bei Patienten, die unter starkem Suchtdruck leiden und daher rückfällig werden könnten.
Welche Selbsthilfegruppen können Sie empfehlen?
Selbsthilfegruppen und Abstinenzverbänden können für Menschen mit
Alkoholproblemen eine sehr grosse Unterstützung und Hilfe sein. Es steht das Prinzip der Selbstbetroffenheit und “Hilfe zur Selbsthilfe” im Vordergrund. Es gibt
Gruppen von den AA (Anonyme Alkoholiker), Guttemplern, Blaues Kreuz, Kreuzbund, Freundeskreise u.a. Es gibt Selbsthilfegruppen für Betroffene, für
Angehörige (z.B. bei den AA`s heißen diese Alanon) und für Kinder von Suchtkranken (z.B. bei den AA`s heißen diese Alateen) oder gemischte Gruppen.
Jede Selbsthilfegruppe arbeitet etwas unterschiedlich und die Atmosphäre und die Teilnehmer sind verschieden. Daher unsere Empfehlung: Besuchen sie einige
verschiedene Gruppen in Ihrer Nähe und bleiben Sie bei der Gruppe, in der Sie sich wohl fühlen und Ihnen die Menschen sympathisch sind. Adressen von Selbsthilfegruppen erfahren Sie hier.
Was passiert in einer Therapie?
Die Behandlung des Alkoholismus erfolgt in einer sog. Therapiekette:
Entgiftung
(=Entzug), ambulante/stationäre/teilstationäre Entwöhnung und Nachsorge (ambulant oder stationär). In jeder Phase der Therapie und in den verschiedenen
Einrichtungen werden unterschiedliche Therapieziele angstrebt. Den Anfang einer Behandlung bildet meist der Besuch einer Selbsthilfegruppe
oder einer Suchtberatungsstelle und/oder das Gespräch mit dem Arzt.
Allgemein gelten als Therapieziele (Auszug): Motivation zur Krankheitseinsicht und zur Alkoholabstinenz, umfassende Diagnostik und Wissensvermittlung über die
Alkoholkrankheit, Analyse der Auslöser und aufrechterhaltenden Faktoren, Aufstellung eines Behandlungsplanes und der individuellen Therapieziele,
Rückfallanalysen und Maßnahmen der Rückfallvorbeugung, die Bearbeitung und Veränderung der individuellen Verhaltensstörungen bzw. Verhaltensdefizite,
Stärkung des Selbstwertgefühls und die Verbesserung der sozialen Kompetenzen (nein-sagen, sich abgrenzen, Selbstsicherheit, Kontakt- und Beziehungsfähigkeit).
Ich trinke zuviel. Wo bekomme ich fachliche Hilfe?
Gut, dass Sie Ihren Alkoholkonsum kritisch hinterfragen und Sie bereit sind, sich Hilfe und Unterstützung auf dem weiteren Weg zu holen. Die Behandlung bei
Alkoholproblemen kann, je nach Fortschritt der Erkrankung, unterschiedlich aussehen. Einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten bekommen Sie hier.
Weiteren fachlichen Rat bekommen Sie in einer ambulanten Beratungs- und
Behandlungsstelle für Suchtkranke. Die Adressen finden Sie im Branchenbuch/Gelbe Seiten auf den ersten Seiten, sowie hier). In der
Beratungsstelle wir Ihre persönliche Situation besprochen und gemeinsam analysiert und ein Behandlungsplan erstellt. Zudem erhalten Sie Informationenen zur Alkoholgefährdung und Abhängigkeit, sowie die weiteren
Behandlungsmöglichkeiten.
Außerdem sollten Sie mit einem Arzt Ihres Vertrauens reden und auch einen Körper-Check-up machen lassen. Ferner ist der Besuch einer Alkohol-Selbsthilfegruppe zu empfehlen, um sich mit Gleichgesinnten austauschen zu
können.
Welche Therapie empfehlen Sie mir?
Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und der Phase der
Alkoholerkrankung, sowie der Motivation des Betroffenen. Die Entscheidung, welche Behandlungsform im Einzelfall sinnvoll ist, können Sie am besten zusammen
mit den Mitarbeitern in einer Suchtberatungsstelle treffen. Dort wird gemeinsam mit Ihnen die Diagnose erstellt und der Behandlungsplan entwickelt. Auch ist der
Besuch des Hausarztes sinnvoll, um körperliche Erkrankungen oder Folgeschäden auszuschließen bzw. zu behandeln. Ebenso empfiehlt sich der Besuch einer Selbsthilfegruppe.
Warum bin ich nur Alkoholiker geworden? Was sind die Ursachen?
Heute weiß man, dass nicht eine Ursache
alleine für den Alkoholismus verantwortlich ist, sondern mehrere Auslöser zusammenkommen müssen. Die
Ursachen können z.B. im Bereich des sozialem Umfeldes (Arbeit, Wohnen, Finanzen, Familie, allgemein-gesellschaftlich, Alkohol-Werbung...), oder im Bereich
des Menschen selbst liegen (persönliche Lebensgeschichte, Elternhaus, Alkoholerlebnisse, Erziehung, Freunde, individuelle Stärken und Defizite, Vererbung
einer “Anfälligkeit”/Disposition gegenüber Alkoholismus). Außerdem spielt das verwendete Suchtmittel (Suchtpotential) und deren alltäglicheVerfügbarkeit eine
große Rolle. Nach dem Gebrauch des Alkohols kann es über den Missbrauch schließlich nach jahrelangem Alkoholkonsum zur Abhängigkeit kommen.
Die Ursachen können hier nur allgemein und kurz beschrieben werden. Wenn Sie Ihre individuellen Ursachen und Auslöser herausbekommen möchten, sollten Sie eine Beratungsstelle für Alkoholgefährdete oder eine Selbsthilfegruppe besuchen.
Hier bekommen Sie weitere Unterstützung, um sich und Ihre Alkoholproblematik besser verstehen zu können und Informationen für die Schritte zur Behandlung zu bekommen.
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